Unser längster Tag

Während einige Jugendliche auf der Wasserkuppe zum SG38 Fliegen waren, gab es noch den Rest des Vereins, der beschlossen hatte, den längsten Tag des Jahres mit einem ausgiebigen Flugbetrieb zu zelebrieren. Was einem immer erst am Tag selber klar wird ist, was für eine dumme Idee es doch eigentlich ist, um 0300 in der Früh aufzustehen um zum Flugplatz zu fahren. Es sei dazu erwähnt, dass ich mit 0300 persönlich noch sehr gut dran war. Die meisten Vereinsmitglieder kommen von weiter her, sodass diese eher noch früher aufstehen müssen.

Um 0400 waren also schon die meisten Leute am Platz, diejenigen, die dort genächtigt hatten, diejenigen, die früh aufgestanden waren, um den Sonnenaufgang zu erleben und diejenigen, die zwar körperlich anwesend waren, aber geistig noch im Land der Träume walteten. Es wurden die Tore geöffnet, die Autos und die Winde heraus gefahren, ein Kaffee geschlürft und die zwei Doppelsitzer des Vereins ausgehallt. Um 0415 gab es dann das kurze offizielle Briefing.

Die Flugzeuge wurden voller Motivation oder im Halbschlaf zur unteren Startstelle gezogen, im halbdunklen gecheckt, nichts desto trotz absolut gründlich, und dann ging auch schon der erste Start in die Luft. Die Sonne war zu dem Zeitpunkt zwar schon (zumindest aus der Luft)  aufgegangen, aber von der Winde hatte man offenbar einen wundervollen Sonnenaufgang und die ruhige Luft am morgen hat das frühe Aufstehen absolut wert gemacht. Die Flüge waren zwar kurz, aber das Gleiten in der absolut stillen Luft, lohnt sich jeden Mal aufs neue.

Gegen 0900 wurde dann eine Frühstückspause eingelegt. Die Spätaufsteher, die sich nicht ihres Schönheitsschlafen entbehren konnten kamen nach, es wurde eine weiteres kurzes Briefing eingelegt und ein kurzes Schläfchen von den meisten gehalten, die zu unmenschlichen Zeiten aufgestanden sind, denn erstmal zog ein kleiner Regenschauer über uns. Als das vorbei war wurde unsere Ka8 noch heraus geholt und der Flugbetrieb wurde fortgesetzt. Es folgten die normalen Starts an einem durchschnittlichen Flugtag, bevor wir wieder eine Pause einlegten. Diesmal für das Abendessen. Was sollte man am Flugplatz anderes machen, als zu grillen? Also wurde der Grill vorgeheizt und alle legten ihr Fleisch und ihre Würstchen auf. Einige Vereins- und Familienmitglieder kamen auch hier noch dazu.  Auf das gesellige Bierchen musste leider verzichtet werden, aber niemand hat sich darüber beschwert denn alle wussten, dass es sich lohnen würde.

Die dritte Etappe des Tages begann also.  Das Fliegen in den Sonnenuntergang. Die Flüge wurden wieder kürzer und die Sonne senkte sich immer weiter entgegen des Horizonts. Den wundervollen Flug, bei dem die Sonne dann tatsächlich auch aus der Luft unter den Horizont sank, durfte ich persönlich genießen. Jeder der selber fliegt, aber noch nie bei einem Longest Day dabei war, dem muss ich hiermit sagen, er hat etwas Sagenhaftes verpasst.

Nach dem die Sonne weg war wurde es schnell dunkel, doch ein paar Starts hatten wir noch. Unser Flugschüler Burkhard hatte sich nach dem Grillen mit dem Handbuch der Ka8 befasst. Diese flog er nun zum ersten mal und er sagte, dass er so hoch geschleppt wurde, dass er auch noch etwas von dem wundervollen Sonnenuntergang hatte. Das ist mal ein fabelhafter Erstflug in einem neuen Flugmuster und zudem sogar seinem ersten Einsitzer.  Zwei Flüge bekam er, bevor die drei Flugzeuge zur Halle hoch geflogen und wieder ein gehallt wurden.

So ging eine wunderbarer Flugtag zuende, der standesgemäß mit einem großen Feuer beendet wurde. Einige Bierchen wurden wohl noch gekillt, aber natürlich alles so, dass es am nächsten Tag weiter gehen konnte. 

Ich danke allen ganz herzlich, die diesen wundervollen Flugtag ermöglichten! Trotz Corona konnte man manchmal fast vergessen, in was für einer Zeit wir unterwegs sind. Auch wenn es heftige Beschränkungen (auch in der Fliegerei) gibt, so ist der Flugplatz doch einer der Orte, an denen man manchmal alles, was so in der Welt passiert, vergessen kann und unbeschwert durch den Himmel gleiten darf. Und mit der entsprechenden Disziplin, die wir alle vom Luftsport gelernt haben, kann man sich hier selbst mit Corona sehr sicher fühlen.

Bericht: Andreas Ulm

Bild: Marcus Stiefelhagen