Segelfliegen  DRUCKEN

Wir wissen nun schon, daß ein Flugzeug sich nur deshalb in der Luft halten kann, weil es an den Flügeln einen Auftrieb erzeugt, wenn dieser von der Luft umströmt wird. Diesen Effekt des Auftriebs (oder auch des Abtriebs) nutzt der Flieger auch, um sein Flugzeug zu steuern. Da es sich frei im Luftraum bewegt, muß es auch „dreidimensional“ gesteuert werden, das heißt, das drei verschiedene Ruder gebraucht werden. Das wichtigste Ruder ist das Höhenruder, das meist am Heck des Flugzeuges sitzt und mit dem es nach oben oder unten gesteuert wird und das damit für die Geschwindigkeit verantwortlich ist. Das Seitenruder sitzt ebenfalls meist am Heck und dreht das Flugzeug nach rechts oder links. Die Querruder sind an den Flügelenden angebracht und sind für die Querlage verantwortlich. Seitenruder und Querruder werden gleichzeitig und gleichsinnig eingestzt, um eine saubere Kurve zu fliegen. Die Bedienung dieser drei Ruder genügt, um ein Flugzeug sicher zu steuern.

 

Bild: Ruder und Achsen
Ruder und Achsen

Ein Segelflugzeug besitzt keinen eigenen Antrieb, sondern erreicht die nötige Geschwindigkeit, um an den Flügeln einen Auftrieb zu erzeugen, dadurch, daß es sich permanent in einem flachen Gleitflug nach unten bewegt. Es muß also regelmäßig wieder „Höhe tanken“, um diese dann wieder in Strecke umsetzen zu können. Diese Höhe kann es durch technische Hilfsmittel, wie eine Winde, ein motorgetriebenes Schleppflugzeug oder einen integrierten Motorantrieb (Motorsegler) erhalten. Dieser dient aber meist nur als Starthilfe, denn der Höhengewinn im eigentlichen Segelflug wird in sogenannten Aufwinden errungen. Der in unserer Region am häufigsten genutzte Aufwind ist der thermisch erzeugte, die Thermik.

 

Thermik
Thermik - Quelle Bernhard Holaschke nach
Helmut Reichmann

Sehr früh erkannte der Mensch, daß Vögel nur aufgrund der ihnen gewachsenen Flügel fliegen können und es gab vielerlei Versuche, sich solche zu bauen. Erst die Erkenntnis, daß Flügel besonders geformt sein müssen, d.h. ein Profil besitzen müssen, um die umströmende Luft dazu zu bringen einen Auftrieb zu erzeugen, brachte den Durchbruch. Und dies geschah nach Millionen Jahre dauernder Evolution der Menschheit erst vor rund hundert Jahren, als Otto Lilienthal und seine Zeitgenossen die ersten halbwegs brauchbaren Flugapparate bauten.

 

Thermik ist eine aufsteigende Luftmasse, die sich durch Erwärmung des Bodens durch die Sonne bildet. Man kann sich das so vorstellen wie eine Luftblase im Wasser, die sich zunächst am Boden bildet, dann einen kurzen Moment versucht, sich zu lösen, um dann vom Boden abzureißen und nach oben zu steigen. Die Thermik besteht also aus Warmluftblasen oder -schläuchen, die in der umgebenden kühleren Luft nach oben steigen. Diese Schläuche oder Blasen sucht der Pilot, um in ihr mit seinem Flugzeug kreisend an Höhe zugewinnen.
Thermik

Cumuluswolken - Quelle Manfred Kreipl, Wolken, Wind
und Wellenflug

Doch woran erkennen Segelflieger, wo sich Thermik bildet? Sehr häufig kondensiert die in der warmen Luft enthaltene Feuchtigkeit in der Höhe bei Erreichen einer bestimmten Temperatur, so daß sich Wasserdampf bildet. Dies führt dann zu Wolken, die sich im Idealfall als Cumuluswolken am Himmel zeigen. Unter diesen Wolken findet der Segelflieger die schönsten Aufwinde Im Unterschied zu den thermischen Aufwinden kennen wir auch die sogenannten dynamischen Aufwinde. Diese entstehen meist durch starke horizontale Windströmungen, die durch Gebirge nach oben abgelenkt werden.

 

Hier ist zunächst der Hangwind zu nennen, der sich vor einem angeblasenen berg bildet und den die ersten Segelflieger als Aufwind nutzten. Im Lee größerer Gebirgszüge bildet sich bei besonders starkem Wind auch oft eine sogenannte „Leewelle“, die dem erfahrenen Segelflieger Flüge in besonders große Höhen ermöglicht. Dieser Aufwind werden durch die „Cumulus lenticularis“, eine sehr ausgeprägte linsenförmige Wolkenform angezeigt. In den Alpen werden bei Föhn oder Mistral regelmäßig Flüge von weit über 5000 m Höhe durchgeführt. Diese gehören zu den schönsten Erlebnissen für einen Segelflieger
Cumulus lenticularis - Quelle: Manfred Kreipl, Wolken,
Wind und Wellenflug

 

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